Warum wir strafen

15 10 2009

Ich habe ein interessantes Interview mit Nils Christie im Rheinischen Merkur entdeckt.

Nils Christie (*24.02.1928 in Oslo/ Norwegen) ist emeritierter Professor für Kriminologie an der juristischen Fakultät der Universität Oslo in Norwegen. Er gehört zu den frühen Denkern der Kritischen Kriminologie und gilt neben dem norwegischem Rechtssoziologen Thomas Mathiesen und dem Niederländer Louk Hulsman (Professor für Strafrecht und Kriminologie) als einer der bedeutendsten Theoretiker des kriminalsoziologischen Abolitionismus. (siehe Krimpedia)

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Bildquelle: Krimpedia

Die Bewegung des Abolitionismus wird schon durch den Begriff ein wenig beschrieben. Er entstand um 1770 in den USA im Zusammenhang mit der Bewegung der Abschaffung der Sklaverei. Dahinter steht eine moralische Bewegung, die für die Rechte des Individuums als Subjekt kämpft. Beispielsweise der Roman „Onkel Toms Hütte“ (1852) wird als abolitionistischer Text gedeutet. Später stand die Abschaffung der Todesstrafe unter dem abolitionistischen Begriff. In Deutschland verband man damit Ende der 20er Jahre den Auflehnungsprozess gegen die staatliche Beaufsichtigung der Prostitution. Heute nehmen Abolitionisten einige Parallelen zwischen Sklaverei und Inhaftierung wahr. Sie verdächtigen die Freiheitsstrafe als moderne Form der Sklaverei. Die Kritik an der Gefängnisstrafe soll eine Fortsetzung des Kampfes gegen die Sklaverei sein. In den letzten 30 Jahren wurde der Abolitionismus als kriminalpolitische Richtung in vielen Variationen mit sehr unterschiedlichen Ansätzen vertreten. Was den Abolitionismus als kriminalpolitische Bewegung hervorhebt, ist der Anspruch, sich von der vorgegebenen strafrechtlichen Struktur zu lösen und das Strafrecht insgesamt infrage zu stellen. Er kritisiert die „Staatlichkeit des Strafrechts“ und stellt eine staats- und systemkritische Bewegung dar. Das ist charakteristisch für den Großteil der Literatur (vgl. KAISER 1987, S. 1029-1031).

Hier das Interview